Ein Vorschlag von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) macht derzeit Verkehrsexperten und Unfallforscher fassungslos. Er möchte Autofahrern das Fahren von Motorrädern erlauben, ohne dass dafür ein weiterer Führerschein notwendig ist.

Einige Fahrstunden sollen schon ausreichen. Dem Spiegel ist ein neuer Entwurf dieser Fahrerlaubnis-Verordnung zugespielt worden. Diese liegt zumindest bereits auf Regierungsebene vor. Konkret ist vorgesehen, dass man mit einem Klasse-B-Führerschein dann zumindest Leichtkrafträder fahren kann. Sie dürfen höchstens 15 PS haben. Allerdings können auch diese Motorräder bereits schneller als 100 km/h fahren. Bislang brauchte man dafür den Führerschein der Klasse A1.

Nur sechs Fahrstunden notwendig

Der Ministeriumsentwurf sieht vor, dass der Besitzer eines Autoführerscheins lediglich eine Weiterbildung braucht. Vorgesehen sind 90 Minuten Theorie und sechs praktische Fahrstunden. Die Praxis kann auf einem Übungsplatz stattfinden. Damit nicht jeder 18-jährige sich nach Bestandener Autoprüfung gleich eine KTM kauft, gibt es allerdings Einschränkungen. Wer die neue Klasse 195 im Führerschein haben will, muss mindestens 25 Jahre alt sein. Außerdem muss man fünf Jahre lang einen Autoführerschein haben.

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Ein Grund für die Lockerung soll nach Aussagen des Ministeriums sein, dass man die Mobilität im ländlichen Raum vereinfachen will. Offenbar gibt es auch EU-Richtlinien, die diese Neuerung zumindest möglich machen.

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Experten sehen Gefahr

Motorradfahrer haben die meisten schweren Unfälle. Je größer der Hubraum, desto gefährlich ist das Fahren. Der deutsche Verkehrssicherheitsrat sieht deshalb auch keine ausreichenden Gründe die Vorschriften zu verändern. Fast alle Experten sind sich einig, dass ein Verzicht auf einen Motorradführerschein, die Zahl der Verkehrstoten erhöhen würde.

Ein Beispiel dafür ist Österreich: Hier hat man bereits die Regelungen vereinfacht. Der Verkehrssicherheit hat das nicht geholfen. Zwar gibt es noch weitere Länder, bei denen es einfacher ist, ein Leichtkraftrad zu fahren, die Risiken sind aber die gleichen. Neben jungen Menschen sind vor allem ältere Wiedereinsteiger gefährdet. Man hat eine erhöhte Unfallgefahr besonders bei über 44-jährigen feststellen können.

Die miese Masche der Autoversicherungen

Eigentlich hatte die Bundesregierung das Ziel verfolgt, die Zahl der Verkehrstoten zu reduzieren. Minister Scheuer arbeitete bereits mit seinem Widerstand gegen ein Tempolimit dagegen. Nun will er wohl auch noch mehr Zweiradfahrer in Gefahr bringen, befürchten Gegner der Maßnahme.

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