Wer einen eigenen kleinen Betrieb hat und einen Lieferwagen besitzt, sollte sich den Steuerbescheid genau anschauen. Denn es gibt Hinweise darauf, dass der Staat viele betrieblich genutzte Lieferwagen als Pkw eingestuft hat. Und für diese sind wesentlich höhere Steuern fällig.

Grund für den Fehler, der dem Bund der Steuerzahler aufgefallen ist, ist eine Neuregelung, die seit 2012 gilt. Darin werden Nutzfahrzeuge dann, wenn sie der Personenbeförderung dienen, als Pkw eingestuft. Man wollte damit vor allem vermeiden, dass es für Pickups und Geländewagen, die privat genutzt werden, ein Schlupfloch gab. Leider hat man damit aber mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Im vergangenen Jahr hat der Zoll begonnen, die Daten der Straßenverkehrsbehörden automatisch abzugleichen. Dabei wird aber nicht erfasst, ob ein Fahrzeug als Lieferfahrzeug benutzt wird oder mit Sitzen ausgestattet ist.

Widerspruch mit Bildern belegen

Wer in seinem Steuerbescheid das Lieferfahrzeug als Pkw eingestuft bekommen hat, sollte auf jeden Fall Widerspruch einlegen. Dabei ist es hilfreich, die tatsächliche Nutzung zum Beispiel durch Fotos des Innenraums zu belegen. Die Ladefläche muss dabei wesentlich größer sein als die Fläche zur Personenbeförderung. Bei Fahrzeugen mit nicht mehr als drei Sitzen kann man dieses auch als Lieferfahrzeug registrieren lassen. Der neue Typ wird dann auch in den Fahrzeugpapieren festgeschrieben. Allerdings verlangen die Behörden dafür ein TÜV-Gutachten.

Erhebliche Differenz bei der Besteuerung

Die Unterschiede bei der Steuer können groß sein: Ein Chevrolet Pickup kann als Pkw mit knapp 400 Euro besteuert werden, als Lieferfahrzeug jedoch nur mit 210 Euro. Kriterien für die Einstufung sind neben der Zahl der Sitze und der Größe der Ladefläche auch, ob die Doppelkabine verglast ist und ob das Fahrzeug Geschwindigkeiten von über 140 km/h fahren kann.

Ein weiterer Grund warum der Gesetzgeber ein Auge vor allem auf die Pickups geworfen hat: Für Lkw gelten anderen, wesentlich geringere Abgaswerte als für Pkw. Sie müssen weniger strenge Emissions- und auch Geräuschwerte erfüllen. Das wiederum hat auch Auswirkungen auf Flotten, bei denen der Gesamtverbrauch gemessen wird. Manche Hersteller haben deshalb bereits von sich aus in den Fahrzeugpapieren das Auto als Nutzfahrzeug eingetragen, zum Beispiel der VW Amarok, der bei den Behörden als Lkw anerkannt ist.

 

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