Die Situation wird jeder Fahrer schon erlebt haben: Zwei Spuren führen nach rechts, und kurz nach dem Abbiegen ist die rechte Spur blockiert. Jetzt heißt es achtgeben, denn Fahrzeuge können auf die linke Spur wechseln. Was aber, wenn es dabei zu einem Unfall kommt?

So ein Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht München (Az.: 333 C 18.640/17) verhandelt. Ein Autofahrer musste nach dem Abbiegen auf die linke Spur ausweichen, weil ein Bus seine Spur blockierte. Dabei stieß er mit einem Fahrzeug zusammen, das parallel zu ihm abgebogen war. Der Verursacher sah die Schuld beim anderen Fahrer. Seiner Überzeugung nach, sei er von der rechten Spur gekommen und hätte damit Vorfahrt gehabt.

Spur muss gehalten werden

Die Richter sahen das aber anders. Sie wiesen darauf hin, dass man grundsätzlich verpflichtet ist, seine Spur zu halten. Wer wechselt, muss den Verkehr auf der anderen Spur im Auge haben. Dabei ist es unerheblich, ob man wegen einem Hindernis wechselt oder freiwillig. Deshalb gaben sie dem Fahrer die Hauptschuld. Er hätte zuerst schauen müssen, ob die Spur frei ist und eventuell sogar anhalten müssen.

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Der beklagte Gegner bekam aber eine Teilschuld zugewiesen. Denn dieser hätte ebenfalls sehen müssen, dass es ein Hindernis gibt und deshalb Fahrzeuge auf die andere Spur wechseln müssen. Darauf zu pochen, dass man seine Spur halten muss, befreit nicht davon, den Verkehr insgesamt auch einzuschätzen.

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Schulterblick nicht vergessen

Richter geben in der Regel den Spurwechslern die Schuld, weil diese nach § 7 Abs. 5 StVO eine besondere Pflicht haben. Sie dürfen nur dann wechseln, wenn eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. In einem Urteil 2015 hatte das Amtsgericht Hamburg (Az. 32 C 4/15) in einem solchen Fall den Verursacher voll schuldig gesprochen.

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Solche Unfälle lassen sich oft alleine durch den Schulterblick vermeiden und zwar sowohl nach links als auch nach rechts. Gleichzeitig muss man aber auch den Verkehr beobachten und damit rechnen, dass Fahrzeuge auf die eigene Spur kommen. Das Urteil aus München nimmt damit auch den Geschädigten in die Pflicht, was die bisherige Rechtsprechung in den meisten Fällen nicht getan hat.

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